StartseiteAuto und VerkehrTschüss, Verbrenner! - Leitartikel in der "Berliner Morgenpost" von Alexander Klay zu emissionsfreien Neuwagen

Tschüss, Verbrenner! – Leitartikel in der „Berliner Morgenpost“ von Alexander Klay zu emissionsfreien Neuwagen

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Berlin (ots)

Ab 2035 nur noch emissionsfreie Neuwagen auf den Straßen in der Europäischen Union: Endlich haben sich Unterhändler in Brüssel auf diesen Termin geeinigt. Zwar haben sie in den Text eine Hintertür für klimaneutrale Kraftstoffe eingebaut – faktisch aber dürften die EU-Pläne auf das Ende des Verbrennungsmotors hinauslaufen. Damit setzt der Staatenbund rechtzeitig vor der Klimakonferenz COP27 in Ägypten einen beachtenswerten Maßstab im Kampf gegen den Klimawandel: zur Nachahmung in anderen Teilen der Welt dringend empfohlen.

Für den wichtigen Jobmotor Autoindustrie sowie für Verbraucherinnen und Verbraucher herrscht mit der Einigung Klarheit: Wer in den nächsten Jahren für mehrere Zehntausend Euro ein neues Auto kaufen will, wird sich wohl zunehmend nach Elektroautos umsehen (müssen). Auch wenn Altfahrzeuge nach 2035 weiterhin Benzin und Diesel tanken dürfen: Ihr Wiederverkaufswert dürfte immer weiter sinken. Und wer weiß überhaupt, wie viele Tankstellen es im nächsten Jahrzehnt noch geben wird?

Im Sinne des Klimaschutzes hätte die Einigung noch ambitionierter ausfallen können. Die Industrie wäre wohl auch zu einem Ausstieg aus der Verbrennung von Benzin und Diesel im Jahr 2030 in der Lage. Ausgerechnet der deutsche Dickschiff-Hersteller Audi etwa will in vier Jahren seine letzte neue Verbrenner-Baureihe in Europa auf den Markt bringen und die Produktion in den Folgejahren Schritt für Schritt umstellen. Dieses Tempo hätte die EU auch von anderen Herstellern einfordern können.

Vor allem aber gibt es schon jetzt Streit über die richtige Interpretation des Verhandlungsergebnisses. Grüne und Klimaschützer pochen auf ihre Lesart: Für sie steht nach der Einigung in Brüssel das Verbrenner-Aus für Neuwagen ab 2035 fest. Liberale wie Bundesverkehrsminister Volker Wissing und Teile der Industrie dagegen betonen, dass der Einsatz von klimaneutralen E-Fuels in Neuwagen auch nach 2035 möglich sein soll – und man so den Verbrennungsmotor retten könnte.

Doch das Versteifen auf vermeintliche Technologieoffenheit ist in diesem Fall vor allem eines: eine Ausrede, um Probleme in die Zukunft zu verlagern und jetzt nicht entschlossen handeln zu müssen. Für den Klimaschutz zählt aber jeder Monat – und die Würfel sind schon seit Jahren gefallen: Pro Elektroauto. Das Hoffen auf E-Fuels als Heilsbringer führt in eine Sackgasse.

E-Fuels sind mithilfe von Ökostrom, Wasser und Kohlendioxid aus der Umgebungsluft hergestellte Kraftstoffe. Sie gelten als klimaneutral. Doch bislang ist der Energieaufwand für die Produktion riesig. Der Wirkungsgrad von 10 bis 15 Prozent ist der schlechteste aller Antriebstechnologien. Elektroautos kommen auf eine Ausbeute von 80 bis 90 Prozent. Jeden Monat wird das Ladenetz dichter, die Modellvielfalt größer.

Und selbst wenn neue Prozesse E-Fuels deutlich effizienter machen: Der Ökosprit wird in anderen Bereichen viel dringender benötigt als zur Rettung des Verbrenners. Sollen Schiffe künftig nicht mehr Diesel und Schweröl verbrennen und Flugzeuge kein Kerosin mehr tanken, brauchen beide Transportmittel gigantische Mengen an E-Fuels. Von den dafür nötigen Solarzellen und Windrädern ist heute noch keine einzige Anlage gebaut.

Wer dem Verbrenner also noch eine Zukunft nach 2035 zuschreibt, betreibt nichts als Augenwischerei. Die Industrie wird sich auf das einstellen, als was die EU-Pläne im Klartext zu lesen sind: das Ende des Verbrennungsmotors.

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